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Jetzt werde ich vom Chef für meine Krankheit bestraft!

6 Antworten [Letzter Beitrag]
Rhadjellie
Offline
Lebt sich ein
Beigetreten: 03.03.2011

Hallo Leute,
wie ungerecht ist das Leben eigentlich noch zu mir? Seit Ende November bin ich nun wegen schwerer Depressionen mit Suizidgefahr krankgeschrieben. Es haben zwar auch einige private Umstände dazu geführt, aber hauptverantwortlich ist meine Arbeitsstelle. Ich habe dort als Abteilungsleiterin seit über zwei Jahren die Arbeit gemacht, die eigentlich mal 7 Leute gemacht haben. Das war auf Dauer nicht mehr zu schaffen und im Laufe der Zeit ist daraus eine schwere Depression entstanden. Ich hatte ja letzte Woche schon gepostet, dass ich mit der Psychotherapeutin, an die ich mich wenden sollte, total auf die Nase gefallen bin. Wir kamen einfach nicht miteinander klar. Sie hatte mich bis heute krankgeschrieben. Ich habe mir dann gedacht, vielleicht tut es mir gut, wenn ich wieder unter Kollegen komme und der Weihnachtsstress dort ist ja jetzt auch vorbei. Aber als ich mich bei meinem Chef zurückmeldete, schrie er ins Telefon, ich sei ab sofort meine Abteilung los, eine neue Kollegin hat mich bereits ersetzt und ich müsste ab morgen im Leergut die Flaschen zählen! Könnt Ihr Euch das vorstellen???? Erst macht der mich krank und jetzt werde ich dafür auch noch bestraft! Ich bin sofort zur Gewerkschaft, wo sie mir geraten haben, sofort wieder zum Arzt zu gehen, da ich psychisch garnicht in der Lage bin, mich jetzt so einem Konflikt zu stellen. Mein Hausarzt hat mich erstmal sofort wieder für zwei Wochen krankgeschrieben. Ich soll mir jetzt in Ruhe einen neuen Therapeuten suchen und so lange schreibt er mich krank. Die bei der Gewerkschaft haben auch gesagt, ich solle mir keine Sorgen machen, der Chef hat keinen Grund, mich jetzt zu kündigen und falls er es doch versucht, gehen wir sofort gerichtlich dagegen an. Eigentlich bräuchte ich mir ja jetzt keine Sorgen machen, aber trotzdem wurden alle meine Pläne heute wieder zunichte gemacht, wie immer. Ich hatte mir vorgenommen, dieses Jahr vieles in meinem Leben zu ändern und auch mich zu ändern, aber wenn das neue Jahr schon mit Tritten anfängt, gehe ich davon aus, dass das neue Jahr so weitergeht, wie das Letzte aufgehört hat.

 

unheilig 77
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Lebt sich ein
Beigetreten: 08.01.2012
Hallo...ich habe gerade dein

Hallo...ich habe gerade dein posting gelesen.Darf ich dich mal was fragen??

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bär
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Deutschland
Beigetreten: 31.07.2010
Liebe Rhadjellie, es tut mir

Liebe Rhadjellie,

es tut mir echt leid, dass dein neues Jahr so schlecht für dich

angefangen hat. Deine Arbeit ist echt nicht einfach, und ich

bewundere immer die Menschen, die diese Arbeit tun. Alles

muss ja immer schneller und billiger werden, die Konkurrenz

ist sehr gross. Die Arbeitszeiten und die Bezahlung ist auch

nicht gerade so gut. Vor den Kunden musst du immer lächeln

und gut drauf sein......................auch wenn es dir selbst nicht

so gut geht. Die Ansprüche der Kunden werden auch immer

grösser.....................................................................................................

Du hast dich aufgeopfert, hast trotzdem alles gegeben was

du hattest, und hast nicht einmal ein Danke dafür bekommen.

Im Gegenteil, man hat dir eine andere Kollegin vor die Nase

gesetzt. Das ist überhaupt nicht fair, aber weisst du, das

Leben ist nicht immer fair, oft brutal ungerecht.

Und dein Chef ist in diesem kaputtmachendem System mit

drinnen, und regiert so dementsprechend.

Ich selbst kenne diese Situationen auch, aber ich würde heute

viel eher die Handbremse ziehen. Die haben dich ausgenutzt,

ausgepresst wie eine Zitrone, und da musst du echt aufpassen,

dass dir das nie wieder passiert.

Da kann es dir helfen, wenn du mehr auf dich schaust, mit

dir achtsamer und liebevoller umgehst.

Lasse dir jetzt bitte die Zeit, zur Ruhe zu kommen, dir in

einer Therapie helfen zu lassen, und erst wenn du wieder

innerlich stark bist, stelle dich wieder der Herausforderung.

Ob es gut ist, in die alte Arbeit zurückzugehen, oder ob es

nicht besser wäre, dir gleich was Neues zu suchen, das musst

du ganz persönlich für dich entscheiden. Aber jetzt musst du

erst einmal wieder zu Kräften kommen.

Gebe bitte nicht auf, natürlich ist vieles nicht gut auf der

Erde, aber wenn du es lernst, gut und schlau zu reagieren,

dir nicht mehr alles gefallen zu lassen, dann könntest du es

wieder packen..............................................................

Ein wenig kommt es auch auf dich an, lass dich nicht nur

von den Umständen beeinflussen.

viele liebe Grüsse,

hund und bär.

Rhadjellie
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Lebt sich ein
Beigetreten: 03.03.2011
Hallo zurück!

Klar, frag ruhig.

LG

Rhadjellie

 

Rhadjellie
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Lebt sich ein
Beigetreten: 03.03.2011
Wie machst du das?

Hallo Hund und Bär,

wie machst du das? Du hast eine Art zu schreiben, die mir jedes mal die Tränen in die Augen drückt. Irgendwie beruhigen mich deine Mails. Ich weiß, ich hätte schon viel eher auf meine innere Stimme hören sollen, aber ich bin Alleinverdienerin und ich habe enorme Zukunftsangst (Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit). Ich bin schon einmal durch einen dummen Arbeitgeber (Call-Center) so tief abgerutscht, dass ich mir damals schon geschworen habe, es nie wieder so weit kommen zu lassen. Aber jetzt hat es mich doch schneller eingeholt, als wie ich noch die Notbremse hätte ziehen können. Ich hätte nie gedacht, dass mein Arbeitgeber so reagiert. Jedenfalls bin ich jetzt erstmal weiter krankgeschrieben und sobald ich einen neuen Therapeuten gefunden habe, werde ich das Angebot einer Tagesklinik annehmen. Gerade hatte ich eine Nachricht von der Gewerkschaft auf dem AB, ich solle mal zurückrufen. Keine Ahnung, was los ist, geht auch jetzt keiner mehr ran. Ich weiß nur, heute war bei uns im Laden BR-Sitzung und mein "Fall" wurde besprochen. Ich gehe mal davon aus, dass die auch bei der Gewerkschaft angerufen haben. Wird also wieder eine schlaflose Nacht, weil ich mich schon wieder reinsteigere, was jetzt wohl passieren könnte. Ich überlege jetzt schon wieder, was sie mir auslegen könnten und inwiefern ich mich evtl. falsch verhalten haben könnte. Unterm Strich bin ich jetzt schon wieder der Meinung, es ist eh alles meine Schuld (hätte ich mehr Überstunden geleistet, hätte ich diesen Nervenzusammenbruch nicht gehabt.....). Ich weiß, dass Leben kann hundsgemein sein und viele Menschen haben bestimmt noch ganz andere Probleme. Aber ehrlich, in meinem Leben ist bisher nichts wirklich tolles passiert, ich bin 32, ledig, hab kaum Kontakte außer zu meinen Kollegen und meiner Familie, ich kann mich mit meinem Verdienst soeben über Wasser halten. Soll das so weitergehen bis ich 67 bin, in Rente gehen kann und dann doch keine ausreichende Rente erhalte und vielleicht bis ins Grab arbeiten gehen darf? Ich höre immer wieder Sprüche wie "wenn du nicht mehr damit rechnest, kommt auch dein Glück". So ein Sch..... Ich rechne mit nichts mehr. Im Gegenteil! Jetzt werde ich erstmal meine Arbeit verlieren, mich mit dem Arbeitsamt rumschlagen dürfen, keine Ahnung, ob ich meine Wohnung behalten kann und ob ich noch meine geliebten Tiere ernähren kann. Und ganz ehrlich, bei diesen Zukunftsaussichten fällt es mir schwer, an meine Gesundheit zu denken. Klar steht die im Vordergrund, aber wie soll ich mich darauf konzentrieren, wenn von hinten die Rechnungen und Probleme drücken?
Trotzdem ganz lieben Dank für deine lieben Worte.

LG
Rhadjellie (Julia)

 

unheilig 77
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Lebt sich ein
Beigetreten: 08.01.2012
Hallo nochmal..

erstmal wo ich deine Geschichte gelesen habe,hab ich etwas schlucken müssen..ich habe sowas ähnliches auch mal erfahren müssen,aber irgendwie hab ich es geschafft das zu verarbeiten..jetzt zu meiner Frage.Du hast geschrieben das du krank geschrieben und suizied gefährdet bist..warum hat dich deine Ärztin einfach so nach hause gehen lassen??Ich hoffe das du nichts anstellst,weil kein Mensch ist es wert,sein leben ein Ende zu setzen,auch wenn man Tage und Tiefs hat wo man denkt es gibt kein anderen Ausweg..ich kann mich gut in dich hinein versetzen..aber irgendwie hängt man zum Glück doch an seinem leben..Ich wünsche dir viel Kraft und durchhaltevermögen von ganzen Herzen und hoffe Du hast ganz liebe Menschen um dich die dir den nötigen halt geben.auch du hast es verdient zu Leben...

Lg

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bär
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Forenurgestein 4.200 Beiträge

Land

Deutschland
Beigetreten: 31.07.2010
Leben ist nicht fair.

Liebe Rhadjellie,

ja das Leben ist nicht fair, und kommt uns nicht immer freund-

lich entgegen. Und im Moment macht du dir über vieles Sorgen

und Gedanken. Wie kriegst du dich und deine lieben Tiere am

besten durch.....................................................................

Also obdachlos musst du nicht werden, aber mit Arbeitsamt

und dem Arbeitslosengeld II ist es auch nicht so einfach.

Aber was mich eigentlich mehr bewegt ist dieses, dass du kaum

Kontakt nach aussen hast, ausser zu deiner Familie und zu

Arbeitskollegen. Ja, es ist schwer wenn du den ganzen Tag

arbeiten musst, da noch Kraft für Beziehungen zu haben. Ob-

wohl uns gute Beziehungen so arg in unserer Depression helfen

können, jemanden, an den wir uns auch einmal anlehnen können,

und der uns in unserer Depression versteht, und uns nicht

sitzen lässt.

Da würde ich dir so gerne wünschen, dass du hier oder dann

in der Tagesklinik gute Beziehungen finden könntest.

Weisst du liebe Rhadjellie, Leben ist mehr als Arbeit und Geld.

Gut, irgendwie müssen wir unser Brot verdienen, aber ist das

alles? Gibt es da nichts mehr, zwischen arbeiten und Grab.........

Liebe Rhadjellie, du bist ein besonderer und wertvoller Mensch,

und du schreibst, dass du viele Tiere hast, das ist doch schon

mal was sehr Gutes. Weisst du, Menschen mit Depri sind sehr

wertvolle Menschen, irgendwie auch viel tiefer, aber leider auch

dadurch viel verletzlicher.

Deshalb musst du besonders und gut auf dich acht haben, dass

man dich nicht über das Ohr haut. Ich merke es aber doch, das

du es eigentlich drauf hast, sei schlau wie ein Fuchs, und listig

wie eine Taube.

Lass dich nie wieder ausnutzen, da musst du so arg auf dich

aufpassen.

Aber zersorge dich nicht, die Sorgen rauben soviel Energie,

die du brauchst, um zu leben.

Aber das ist auch die Depression, die uns alles nur schwarz in

schwarz malen möchte. Da fehlt uns die nötige Lockerheit, die

Entspannung.

Ich könnte mir vorstellen, dass dir da ruhige Musik helfen

könnte, laufen, spazieren in der frischen Luft.

Das meist um das du dir Sorgen machst, wird nie eintreffen,

das weiss ich von mir selbst.

Und weisst du, du kannst es schaffen, ehrlich. Ich weiss, wenn

man allein lebt, und niemanden hat, mit dem man über seine

Sorgen und Nöte reden kann, oder den man einfach mal so

anrufen kann, Hilfe in Alltagsdingen..................................

Das würde ich dir jetzt von Herzen wünschen.

Das du bald wieder eine neue, hellere Perspektive in deinem

Leben sehen kannst. Vor allem. gute Beziehungen, so man auch

mal so Spass und was Dummes gemeinsam tun kann.

Ich weiss, es ist nicht immer so einfach, auf andere Menschen

zuzugehen. Ich habe das in der KLinik gelernt, gerade unter

Gleichgesinnten, aufeinander zugehn, sich austauschen, sich

gegenseitig helfen, das kann so arg gut tun.

Gebe bitte die Hoffnung nicht auf, vielleicht besteht auch noch

die Möglichkeit, einen ganz anderen Beruf auszuüben.

Aber noch einmal, passe auf dich auf, erstmal musst du wieder

stark werden in dir. Andere Menschen spüren unsere Unsicherheit
unsere Angst, und versuchen das auszunutzen, nicht alle

Menschen, aber schon einige.

Aber eine gute Therapie kann dir da echt helfen, stark zu werden,
in und aus dir selbst.

Du kannst das, du schaffst das,

du weisst das es geht,

weil die liebe Rhadjellie lebt..........................

lebst du auch alleine und du fragst nach dem Glück.

denke daran, in Gedanken denken wir mit dir mit,

fühlst du dich auch ängstlich und ganz arg klein,

wir sind für dich, du bist nicht allein.

und: DU bist nicht an allem schuld. Nein, das will dir die Depression einreden, und das stimmt einfach nicht. Schreibe es dir an deinen Spiegel, hänge es dir an die Wand, schreibe es in dein Tagebuch. So ein Denken zieht dich total runter.

Weisst du, ich mache auch nicht alles richtig, und habe in meinem Leben auch schon viele Fehler gemacht. Na und, dann
lernen wir halt daraus, machen es andersmal einfach besser.
Schaue mehr nach vorn, an deiner Vergangenheit kannt du
nichts mehr ändern, aber an deiner Zukunft....................

viele liebe Grüsse,

hund und bär.