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Über die Angst vor der Psychiatrie

Eine der schlimmsten Schmähungen die es in meiner Kindheit gab war der Satz: "Du gehörst doch nach Ilten!"

Ilten bei Hannover war das berühmt berüchtigte "Irrenhaus", ein Wort bei dem jeder innerlich erschauerte und zusammenzuckte.

Das "Irrenhaus" war wohl der größte soziale Abstieg, den ein Mensch erleben konnte, schlimmer noch als Gefängnis oder Zuchthaus.

Wenn irgend jemand in Kontakt mit der Psychiartrie kam hieß es bei ansonsten respektabelen und angesehenen Menschen: "Er oder Sie hatte einen Nervenzusammenbruch und musste nach Ilten oder Wunstorf." Der sogenannte "Nervenzusammenbruch" war zwar etwas weniger schlimm, als komplett bekloppt zu sein, aber man redete trotzdem nur sehr leise und hinter vorgehaltener Hand davon.

Schließlich konnte so ein "Nervenzusammenbruch" eventuell noch geheilt werden, wenn auch sehr schwierig.

Das ganze Thema psychische Krankheit war von einem Schleier des Mysteriums umgeben und man gruselte sich einfach nur total davor.

In den letzten Jahrzehnten hat sich einiges in der Wahrnehmung psychischer Krankheit geändert, es gab viel Aufklärung durch die Medien, aber ein Tabuthema ist es trotzdem bei vielen (den Meisten?) Menschen immer noch. Vielen ist es überaus peinlich über seelische Schwierigkeiten und Störungen zu sprechen und vielen ist es peinlich solche Krankheitsgeschichten anzuhören. Es wird sehr schnell rationalisiert, verdrängt oder abgebügelt.

 

Als ich in den frühen 90er Jahren einmal von meinem Hausarzt auf meine depressiven Verstimmungen angesprochen wurde und eine Psychotherapie empfohlen bekam reagierte ich mit Ablehnung und Entsetzen. Ich bin doch ein Mann des Glaubens, Gemeindegründer, Ältester und Lobpreisleiter! Was will der Mann von mir? Das ist doch ein Angriff des Teufels!

Für mich sorgt der Allerhöchste Herr und der wird auch mit meiner Seele fertig.

Durch den Hausarzt wirkt doch der Teufel, der mich durch diese garantiert okkult verseuchte "Psychotherapie" vom Glauben abbringen und versklaven will.

Ich witterte nichts als weltliche und höchstwahrscheinlich "dämonische" Manipulation hinter Allem, was nach Psychiartrie und Psychotherapie roch.

Schließlich hatte ich meine Mutter nach ihren Suizidversuchen oft in der Psychiartrie besucht und kannte die geschlossene Abteilung aus eigener Begutachtung. Die Erlebnisse mit einigen Psychotikern, die ich ebenfalls in der "Geschlossenen" besucht hatte wirkten ebenso in mir nach.

Wie soll man an einem solchen Ort gesund werden? Das ist doch ein Tummelplatz für Dämonen und durchgeknallte Psychiater, die selber Hilfe bräuchten, waren meine Gedanken.

Ein sehr verzerrtes Bild von der Realität, daß von irrationalen Ängsten und Vorurteilen geprägt war, wie ich später feststellte.

 

Als eins meiner Kinder einen ernstgemeinten Selbstmordversuch machte, gab es danach keinen anderen Weg der Hilfe mehr als die Kinder- und Jugendpsychiartrie im Kinderkrankenhaus. Wir waren mit den psychischen Problemen unseres Kindes hoffnunglos überfordert und es bestand weiterhin akute Suizidgefahr.

Also kam mein Kind in die geschlossene Abteilung und wir hatten regelmäßig Gesprächtherapie zusammen. Die Eltern wurden (zwangsläufig) in die Therapie mit einbezogen.

Obwohl wir uns von der Einrichtung teilweise verschaukelt fühlten, da sie uns nicht die Wahrheit über den geschlossenen Charakter der Therapie gesagt hatten, verlor ich zumindest die starken Berührungsängste mit der Psychartrie und bemerkte, daß auch dort nur mit Wasser gekocht wird - bzw. das eben ganz normale Menschen sich dort mit psychischen Störungen beschäftigen.

Niemand wollte uns vom Glauben an Gott abbringen oder in die befürchteten esoterischen Praktiken hineinzwingen. (Das waren meine persönlichen Hauptängste)

Wie überall in Krankenhäusern gibt es bessere und schlechtere Ärzte und Therapeuten, aber die irrationalen Feindbilder und Ängste erwiesen sich als Fata Morgana. Und das war sehr gut so, denn ich brauchte eigentlich schon lange selber Hilfe für meine Depressionskrankheit, die ich ständig verleugnet hatte.

Im christlichen Bereich hatte mir bisher niemand durch Seelsorge oder Gebete und Prophetien helfen können. Auch mein eigener Glaube nicht.

So holte ich mir eines Tages einen Termin beim Neurologen und Psychiater, der sich als ausgesprochen nett und hilfreich erwies.

Ich erhielt einige Jahre Medikamente gegen meine Depressionen, die auch recht gut wirkten und keine spürbaren Nebenwirkungen hatten. Auf mein Nachfragen nach Gesprächstherapie erhielt ich eine Liste der niedergelassenen Psychotherapeuten und machte einige Jahre später auch eine Psychotherapie, Dir mir wirklich weiterhalf.

Ärzte und Psychotherapeuten sind keine Wunderheiler auf die man seine ganze Hoffnung setzen sollte. Sie können Deine Probleme nicht für Dich lösen und Dir die eigene Verantwortung für Deine Störungen nicht abnehmen.

Aber sie können Wegbegleiter für Dich sein und Dich auf die richtige Fährte setzen - damit Du Deine selbstgesteckten Ziele der Heilung und Gesundheit erreichst. Ohne eigene Mitarbeit läuft überhaupt nichts in solch einer Therapie und man sollte sein Leben sowieso grundsätzlich dem großen himmlischen Arzt anvertrauen und nicht die eigene Verantwortung bei Ärzten abgeben.

Wir als Christen glauben ja, daß Jesus, der Heiler in uns wohnt und lebt. Und diesem inneren Heiler sollten wir zuhören und seine Ratschläge umsetzen.

Aber eben nicht nur passiv erwarten, daß er die ganze Arbeit macht, sondern in seinem Namen aufstehen, sein Bett aufnehmen und anfangen zu gehen. Und dabei kann man sich auch von Profis helfen lassen ohne sich zu schämen.

Ps. Meiner Tochter geht es heute gut.

 

> Andere zu diesem Thema:

> Keine Angst vor der Psychiartrie

> Das Eismeer in mir

Kommentare

"im christlichen Bereich hat

"im christlichen Bereich hat mir niemand helfen können"

Bei mir war das anders. Gut ich wohne im Süden, und die christliche Ignis Klinik ist nur so
ca 100 km weg. Da wurde mir und anderen viel geholfen, und ich habe da auch vieles gelernt.

Will jetzt nicht sagen, dass es nicht nur die christliche Therapie bringt.....................

Mein Neurologe ist auch kein Christ, aber ein hervorragender Fachmann.

Ich denke, Gott hat dem Menschen ein Gehirn gegében, mit dem er Autos usw. bauen oder Tabletten gegen Depris entwickeln.

Meine Mutter war früher auch oft in nichtchristlichen Therapien.

Aber ich denke doch, dass da auch Gott seine Hände darüberhält, alle Hilfe letztendlich doch von ihm kommt, durch andere Menschen.

Letztendlich benutzt auch die christliche Therapie Erfahrungen und Erkenntnisse von

anderen Richtungen.

Also beim mir subjektiv habe ich festgestellt, dass mir mein Glaube in den Depris schon hilft, vielleicht nicht immer so wie ich es mir wünsche, aber irgendwie doch.

Vor allem was die Hoffnung betrifft. "Ganz geheilt" bin ich jetzt auch nicht, .....................

aber mein Glaube gibt mir die Kraft "mit den Depris zu leben". So wie andere mit Rollstuhl, usw. leben.................................................................

Meine Frau meint manchmal, "ich wäre zu fromm", aber ich habe bis jetzt nichts Besseres gefunden.

Was aber auch nicht heisst, dass ich mit jedem christlichen Therapeuten ausgekommen bin...........................das passt auch nicht immer.............................manchmal ist vielleicht auch jemand besser, der kein Christ ist.

Ich denke da manchmal auch falsch, alles was sich Christ nennt muss doch gut sein, und man muss nicht aufpassen.........................................Aber die müssen auch ihr Geld verdienen,  und da ich als Beamter die Rechnungen erst privat begleichen muss, und dann einreichen kann..................und manche einfach zuviel berechnen, muss man immer aufpassen.

Das waren jetzt so meine Erfahrungen.

liebe Grüsse
bär mit hund (mein hund ist mein bester therapeut, gut er kostet hundesteuer, fressen und trinken, aber durch seine freudige und freundliche art, ........................................

als hund na ja..............aber als therapeut........unersetzlich.

 

danke

danke für den kommentar,
ralf

Machs wie Gott - werde Mensch

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