Skip to Content

lieanne ist neu

4 Antworten [Letzter Beitrag]
lieanne
Offline
Schaut öfter vorbei
Beigetreten: 16.02.2012

Hallo, Ihr alle!
heute bin ich hier gelandet, nachdem ich feststellen musste, dass die Depression in meinem Leben eine enorm große rolle spielt. Nicht nur meine eigene (die gerade schläft), sondern die meiner Eltern und zur Zeit vor allem die meines Mannes.
ich hatte überlegt, ob es wohl auch eine Co-Depression (vgl. Co-Abhängigkeit) geben könnte, und bin auf diese site gestoßen.
ich möchte so gern eine Balance finden, die mir hiflt, mit meinem Mann umzugehen. er ist in der D. sehr verletzend, zynisch, bitterböse und dazu stinkefaul und sehr schlampig.
ich weiß, dass es ungerecht klingt, aber so sieht es nunmal aus, der Alltag ist mordsanstrengend.
bitte nicht schimpfen, ich weiß auch, dass er nichts dafür kann, aber ich auch nciht. Ich weiß auch inzwischen, dass ich selbst auf mich aufpassen muss, wenn ich nicht wieder mit in den Keller rauschen will. Eine Essstörung habe ich nahezu überwunden, und das in meinem Alter (ich hab schon Enkel!).
also möchte ich mal erfahren, wie es in anderen Familien bzw. Paaren geht, mit Depression eine erfüllte Beziehung zu führen.
Danke für's Lesen!
lieanne

Bild von Marsella73
Marsella73
Online
Moderatorin

Land

Spanien
Beigetreten: 22.02.2010
Hallo Lieanne!

Erst einmal herzlich Willkommen hier im Forum!

Ich habe gleich heute Morgen Deinen Beitrag gelesen und entdecke darin vieles, was ich ähnlich erlebt habe und auch zwischendurch immer mal wieder durchkommt.

Muss jetzt erst noch arbeiten und schreibe nachher ausführlicher dazu.

Bis dahin liebe Grüße!

Marsella

 

Bild von Marsella73
Marsella73
Online
Moderatorin

Land

Spanien
Beigetreten: 22.02.2010
Gönne Dir Ruhe!

Liebe Lieanne!

Sorry, dass ich mich erst heute melde. Aber hier ging es in den letzten Tagen sehr turbulent zu.

Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Du Deinen Alltag oft mordanstrengend empfindest.
Solche Phasen habe ich in den letzten Monaten selbst zu Genüge erlebt und bin jetzt umso glücklicher, dass es meinem Mann (Don Limpio) jetzt wieder besser geht.

Was mir gerade als erstes aufgefallen ist, Du schreibst nichts darüber, ob Dein Mann in ärztlicher Behandung ist? Nimmt er Medikamente?

Deine Aussage, dass Depressionen beim Betroffenen und auch bei Angehörigen eine große Rolle spielen, kann ich nur unterschreiben.
Nur ist es natürlich eine Frage, wie man selbst damit umgeht.

Du schreibst, dass Du selber auch schon Depressionen hattest. Dann solltest Du ganz besonders auf Dich achten.

Mir ging es bislang, trotz der Depressionen meines Mannes, gut. Ich habe allerdings einige Strategien entwickelt, um mich nicht runterziehen zu lassen.
Zum Glück habe ich naturgemäß ein ziemlich dickes Fell, so dass ich mir, z.B. ungerechte Bemerkungen meines Mannes, wenn es ihm schlecht geht, nicht zu Herzen nehme. Ich weiß, dass er es nicht so meint und veruche dann keine unnützen Diskussionen anzufangen.

Natürlich muss man dabei einiges wegstecken können, was mir meistens gelingt.

Was ich Dir nur raten kann ist, dass Du lernen musst, Dir Ruhe zu gönnen! Mach Dich nicht zu Deinem eigenen Sklaven, weil Du denkst, dass alles perfekt sein muss. Riskier nicht, dass Du selbst wieder krank wirst!

Ich habe meinen früheren Perfektionismus schon vor langer Zeit über Bord geworfen. Ich mache meine Arbeit, versorge unsere Hunde und Katzen, koche, gehe einkaufen und halte den Haushalt halbwegs in Ordnung. Wenn es meinem Mann schlecht geht, mache ich nur das Nötigste. Also Arbeiten und Haustiere. Alles andere ist mir dann ziemlich egal. Der Abwasch läuft nicht weg und wer sagt denn, dass immer alles tipptopp sein muss??

Du scheinst Deinen Mann ja auch schon eine Weile zu kennen. Du schreibst, dass Du Enkelkinder hast.
Wenn Dein Mann rumnörgelt und ungenießbar ist, müsstest Du wissen, dass er das nicht selbst ist...Wenn er dann in depressiven Phasen schampig und stinkfaul ist, laß ihn einfach. Ihm geht es dann so schlecht, dass er einfach nicht mehr kann. Er macht das bestimmt nicht, um Dich zu ärgern.

Ich weiß, dass es nicht immer leicht ist, so locker mit der Depression umzugehen.
Aber zu Zeiten, als es meinem Mann sehr dreckig ging, habe ich immer gewusst, dass wieder bessere Zeiten kommen und es sich lohnt, darauf zu warten.

Halt den Kopf oben und gönne Dir selbst auch mal etwas Schönes. Ihr habt nichts davon, wenn Du selbst wieder depressiv wirst. Eine kleine Auszeit (schöner Spaziergang, Shoppen gehen o.ä.) bewirken manchmal Wunder...

Liebe Grüße

Marsella

 

Bild von Sigrun
Sigrun
Offline
Lebt sich ein

Land

Österreich
Beigetreten: 20.02.2012
hallo einmal und herzlich

hallo einmal und herzlich willkommen,

ich bin auch in einer Beziehung mit einem Depressieven Mann und selber hab ich auch Depressionen.
Bei uns ist es so, dass er ständig gleichbleibend unten ist und kein ehöhen hat, zudem kommt dass er liebe nicht gut annehmen kann un dnoch schwerer geben kann.

Ich habe extreme tiefphasen in denen ich immer wieder mit den gedanken spiele mir das leben zu nehmen, und ich ritze, aber ich habe auch gute phasen....ich bin ein sehr emotionaler mensch, brauche liebe ...

ich tu mir oft ganz schwer mit meinem freund, ich weiss das er mich sehr gern hat und er zeigt es heute auch schon "öfter od. deutlicher" als vor zwei jahren wie wir zusammen gekommen sind,...trotzdem kostet es enorm viel kraft.

besonders wenn beide depressiev sind ist es wahrscheinlich schwer, doch sehe ich darin auch eine chance für beide, erstens besser verstanden zu werdne als von "gesunden" menschen und zweitens wenn es gut passt sich gegenseitig ein wenig zu stützen.

ich weiss das ist weder trost noch sonnstwas und ich verstehe dich nur zu gut, ich schlafe oft weinend ein weil ich mit seinen "zuständen" grade eben nicht klarkomme,..aber wenn es so ist das die beziehung zum großteil "gut" tut dann ist sie "richtig" wenn der schmerz und das negatieve überwiegt,...dann würde ich sagen muss man sich überlegen ob die beziehung noch sinn macht nämlich für beide...

lieanne
Offline
Schaut öfter vorbei
Beigetreten: 16.02.2012
als Dank ein "Roman", Marsella

hallo, MarsellA;
ich wollte eigentlich nur krutz antworten und mich vor allem bedanken bei Dir, aber jetzt ist es ein langer Text geworden, entschuldige - sas musste wohl mal raus:

Oh, hallo, Marsella-

 

Schön, jetzt von dir zu hören, macht doch nix, dass es „erst“ jetzt soweit ist. Ich arbeite in Vollzeit und bin auch nicht immer sofort am Ball.

Glücklicherweise hab ich diese Arbeit, die mag ich schon und fühle mich wohl hier, wenn auch bescheiden bezahlt wird. Aber ich bin hier anerkannt in einer kleinen Gruppe von sechs Leuten, das ist sehr viel wert.

Stimmt, mit Daten habe ich gespart…:

So lange sind wir noch nicht zusammen, nämlich fünf Jahre – in denen war aber ganz schön was los.

Jahr drei und vier waren sehr, sehr kritisch, eine Trennung stand mehrmals ins Haus, in der Zeit ging es auch mir ganz furchtbar schlecht, ich bin – eh schon sehr schlank – abgemagert und habe auch immer noch einen kleinen Hau in Sachen Essen behalten. Dat wirt aber schon.

Mein Mann hat wohl Depressionen seit Ewigkeiten, er ist in einer extrem gestörten Familie aufgewachsen mit Schlägen und Sekte, pah, furchtbar. Dazu passt ganz „prima“, dass mein Vater Alkoholiker war und meine Mutter eine Co-Abhängige aus dem Lehrbuch.

Und über diese Gedanken von Co-was-auch-immer bin ich langsam zu mir gekommen.

Das ist erst ein paar Wochen her, ich kann mich gar nicht genau an den Anlass erinnern.

Nun habe ich eher die Möglichkeit, zu unterscheiden, wessen „schlechtfühlen“ gerade die Stimmung bestimmt – meins ist es nämlich oft nicht!

Martin nimmt keine Medikamente, er glaubt, er müsse „es schaffen“, wie alle, was? Muss stark sein, muss überlegen sein, sind doch nur Gefühle…blabla.

Zwar ist er in Behandlung, war sogar im letzten Jahr für 8 Wochen in der ambulanten Klinik, seitdem meditiert er (würg) und macht Entspannungsübungen, aber besser ist meiner Ansicht nach gar nichts geworden. Ein paar neue Tricks, den Kopf in den Sand zu stecken, denn danach folgt … nix.

Er war – Beamter – zehn Monate krankgeschrieben, ich finde, er ist nur weiter versunken in die Überzeugung, dass alle Anderen Idioten sind, ihm nicht gerecht werden, er leidet daran, dass niemand merkt, wie richtig er alles macht, wie gut durchdacht, wie vorbildlich.

Dann wieder macht er sich Vorwürfe über sein „verpfuschtes Leben“, von vier Kindern kommt er nur mit einem aus – seine Eltern hasst er etc.

 

Mir ist vor kurzem erst klargeworden, dass es mir gut gehen „darf“, auch wenn es Martin schlecht geht. Andernfalls wäre das ein herrliches Co-Verhalten, aber jetzt wird mir das hoffentlich nicht mehr so leicht passieren. Mal sehen, wie lange ich stark genug bin, wenn ich selber im Schatten lebe, ist es wohl wieder anders. Aber ich kann besser unterscheiden jetzt.

Und Du hast sehr Recht: Ich muss wirklich Ruhe finden und Kraft immer wieder schöpfen. An Tagen, an denen ich down bin, bräuchte ich eigentlich mal einen starken Partner, Trost und ein „leichtes“ Gegenüber, aber nicht Martin, das kann der nicht. Will er auch nicht, Leichtes, Fröhliches ist ihm im Grunde zuwider, oberflächlich – „Spaßgesellschaft!“, eines weisen Menschen unwürdig!

 

Martin nimmt leider keine Medikamente, er zieht es vor, auch hierbei mit sich selbst unerbittlich zu sein. Ein Perfektionist, ein Moralist. So streng bisweilen, dass er Konflikte gar nicht erst austrägt, sondern sofort um sich schlägt (bildlich) und Kontakte aufgibt, sogar zu seinen Kindern. Bei Konflikten benimmt er sich oft überheblich, arbeitet mit Ironie und Sarkasmus, ist schwer belesen (Philosophiestudium) und kann natürlich „argumentieren“ auf Deubel komm raus. Ich darf gar nicht darauf einsteigen, aber solange ich es versucht hatte früher, ging’s mir richtig dreckig und ich konnte nur verlieren.

Und Du hast Recht, er ist manchmal verletzend, ungerecht, macht gern Witze auf meine Kosten in bestimmten Situationen – aber ich habe ein hauchdünnes Fell.

Bislang bin ich noch nicht bereit, jede Unhöflichkeit zu entschuldigen.

Viel zu lange habe ich mich blenden lassen durch messerscharfe Argumente, durch hohe Ansprüche moralischer Art, war blind gegenüber Unstimmigkeiten und Fehlern.

Mittlerweile bin ich wohl wieder auf dem Boden angekommen, man könnte auch sagen: aufgeknallt.

Ist es Dir mit deinem Meister Proper (sehr witzig!) auch so gegangen?

 

Danke für Deine Zeit, einen schönen Tag Dir bzw. Euch!