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Erfahrungsbericht - Einstellung - Empfehlung zum Ablegen der Vorbehalte

4 Antworten [Letzter Beitrag]
good sad soul
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Erfahrener Nutzer

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Deutschland
Beigetreten: 03.08.2010

(wie ich es schon in meinem Profil beschrieben habe)

ich habe Erfahrung mit Sertralin gemacht.
Das gehört zur Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs).
Nehme seit etwa zwei Jahren (sind es dann doch schon) (wieder) 50 mg täglich zu mir.
Es nimmt mir den Gegenwind, fängt den Fall auf, hebt mein durchschnittliches Stimmungslevel, macht mich wieder handlungsfähig und gibt mir so Lebensqualität zurück.

Als ich anfing, was gegen meine Depressionen zu unternehmen, gin ich erst zu zwei Psychologen. Naja, das war ganz nett. Einige Zeit später wandte ich mich an einen Psychiater, den ich auch privat kannte und dem ich sehr vertraute. Dieser empfahl mir eine sofortige Medikation mit Zoloft (das ist wirkungsmäßig das gleiche wie Sertralin, aber teurer), um mich so erstmal aus dem Loch rauszuholen und eine anständige Therapiefähigkeit herzustellen.
Damals hatte ich große Vorbehalte gegen Psychopharmaka, wie gegen Medikamente an sich. Mir muss es schon sehr schlecht gehen, bis ich zu einer Pille greife.
Leider machte ich die Therapie damals nicht allzulange und setzte das Medikament eigenständig, aus heutiger Sicht gesehen, viel zu früh ab.
Als ich ein paar Jahre später gewissermaßen wieder an derselben Stelle angekommen war, griff ich das Medikament wieder auf (was ich noch übrig hatte), ging zu einem Psychiater und wies ihn an, mir einen stationären Aufenthalt zu verschaffen. So war ich rund 11 Wochen in einer psychosomatischen Klinik. Das war eine schöne Erfahrung.
Ich glaube mich zu erinnern, daß ich danach noch einmal kurzzeitig das Medikament abgesetzt habe, es jedoch schnell wieder aufgriff und es seit dem regelmäßig nehme.

Ich habe mich darauf eingestellt und ersehe auch nichts, was dagegen spricht. Auch beabsichtige nicht, es in absehbarer Zeit abzusetzen und es über einen längeren, das heißt mehrjährigen, Zeitraum zu nehmen, als Rezidivprophylaxe.
Erst, wenn ich über einen längeren Zeitraum fest im Sattel sitze, werde ich mich mit einer Absetzung wieder auseinandersetzen.

Ich bin kein Arzt und kein Pharmakologe, doch sind in der heutigen Zeit die Vorbehalte und Vorurteile gegenüber Psychopharmaka gänzlich fehl am Platze und geradzu unvernünftig. Man macht sich das Leben erheblich unnötig schwer.

So möchte ich eine/n jede/n Betroffene/n dazu ermutigen, sich darauf einzulassen.

Mag sein, daß es das ein oder andere gibt, das irgendeinen unbeabsichtigten Effekt hervorruft. Fragen sie ihren Arzt.
Kann passieren, daß nicht auf Anhieb gleich das passende Mittel gefunden wird.
Ist eine Sache von trial and error.
Kann auch gut vorkommen, daß das Medikament eine gewisse Anlaufzeit braucht.
Vielleicht ein bis zwei Wochen. Mehr sollte es nicht sein.

Also, ich bin mit meinem Pillchen durchweg zufrieden und kann von keinerlei Nebenwirkungen oder anderen negativen Effekten berichten.

Vor einiger Zeit habe ich mal einen Bericht im Radio gehört, daß die Pharmaindustrie bemüht ist, das potentielle Problem zu beseitigen, daß Serotonin die Zeillteilung stimuliert und so das Risiko bestimmter Krebsarten erhöht werden kann.
Ich nehem das für mich vorerst gelassen in Kauf.

Interessant finde ich in dem ganzen Zusammenhang ein neu geschaffenes Gebiet der Wissenschaften, das der Neuroethik, das sich mit Fragen auseinandersetzt, die die Beeinflussung des eigenen Gehirns durch chemische Präparate unter ethischen Aspekten betreffen. Das hat nichts mit Krankheiten in der Hinsicht zu tun, sondern das Aufkommen der Verwendung von Medikamenten zur Stimulanz in allen Lebenslagen, als Folge einer tendenziell krankhaften (meine Wertung) Entwicklung einer noch krankhafteren (-''-) Leistungsgesellschaft. Leistungsdruck? Pille rein! Appetitlos? Pille rein! grauer Tag? Pille rein! etc. pp.

Alles Gute
good sad soul

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bär
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Deutschland
Beigetreten: 31.07.2010
lieber good sad soul, Ein

lieber good sad soul,

Ein gutér Erfahrungsbericht. Psychos lösen nicht die Probleme, aber sien helfen uns, zur Ruhe zu kommen, um so unsere Probleme zu lösen.

Vielleicht tun  wir uns  als Männer mit unserer Kämpfernatur noch schwerer, solche Psychos einzunehmen, ich habe auch lange gebraucht, es mir einzugestehen.

Aber ich konnte dadurch mich und meine Familie versorgen.

Ja, du hast recht, es wird heute immer schwerer, in unserer Leistungsgesellschaft zu überleben. Alles muss billiger, schneller, und mit noch mehr Qualität produziert werden. Auch im sozialen Bereich geht es nach Tempo und Geldeinsparen.

Unser Selbstbewusstsein kriegen wir von aussen diktiert, wer viel leistet, gut aussieht, viel hat..................................................................................................

und flexibel sein, umziehen für seinen Job,
weiterbilden,
eine "schöne" Frau muss her.............
möglichst eigenes Haus und tolles Auto in der Garage
Kinder natürlich nur auf das Gymnasium,
Musikunterricht,
auf jeden Fall was für die Figur tun, Fitnesstudio.
reisen, möglichst weit weg.

Da hilft nur die innere Einstellung, brauche ich das alles für meinen Selbstwert,
was macht mich wirklich wertvoll,
einen Beruf, nur um viel Geld zu verdienen, oder eine Arbeit, die meinen Gaben entspricht,auch wenn ich nicht so viel Geld verdiene.

Es kommt auf die innere Einstellung an, und wie ich was bewerte................................

Seit ich mit Deprism zu tun habe, denke ich jetzt auch anders.......................................

Muss nicht mehr alles haben, oder mich immer mit anderen vergleichen....................

Will leben, möglichst so, dass ich zufrieden bin, mit meinem Leben.

Es ist mein Leben, ich möchte nicht gelebt werden. Leben, auch in den Grenzen meiner Depri.........

liebe Grüsse,
bär

 

 

good sad soul
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Erfahrener Nutzer

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Deutschland
Beigetreten: 03.08.2010
Hi Bär, ich bedanke mich für

Hi Bär,
ich bedanke mich für Deine Antwort auf meinen Eintrag.
An dieser Stelle, passend zu der Forumsparte, möchte ich nur bestätigen,
daß selbstverständlich nichts als man selbst die Probleme lösen kann.
Es gibt nur viele Hilfen zur Selbsthilfe.
Ich sehe die Lösungen (für alles ;) ) auf letztlich philosophischer Ebene.
Über die Welt und unsere subjektiven Illusionen der Wirklichkeit reden wir an anderer Stelle weiter.
:)
Liebe Grüße

Bine1970
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Lebt hier
Beigetreten: 25.02.2011
Sertralin Einnahme

Ich war 2005 auch schockiert als ich Sertralin verschrieben bekommen habe und sah mich schon den Rest meines Lebens in der Psychatrie.

Aber nach vier Wochen wirkte das Mittel. Ich konnte meinen Job weiter machen und wurde wieder locker. Gleichzeitig war ich regelmäßig bei meiner Ärztin, die auch die Gesprächstherapie wunderbar mit mir macht.

Auch ich habe die Pillen schon zwei Mal abgesetzt. Leider habe ich danach wieder Schattengedanken bekommen. Ich denke bei der Einnahme immer an die Tabletten. Ich mag Tabletten nicht. Aber ich lebe besser mit dem Medikament, das lerne ich gerade. Ich wünsche mir aber eines Tages ohne Sertralin aus zu kommen. Ich leide auch an einer Schilddrüsenunterfunktion, dafür muss ich auch jeden Tag ein Hormon einnehmen. Das reicht mir.

Es ist wichtig auf sich zu achten und sein eigenes Leben zu leben.
Ich habe zum Beispiel meine Doktorarbeit irgendwann aufgegeben, weil es nicht wirklich meinen Bedürfnissen entsprach, jahrelang an einem Thema einsam zu arbeiten. Außerdem wollte ich auch nicht in dem Bereich wirklich arbeiten.

Statussymbole sind mir egal. Ob meine Freunde hübsch oder erfolgreich sind ist mir egal, sie sollten nett und offenherzig sein, das zählt. Die meisten erfolgreichen Freunde in meinem Bekanntenkreis haben mit Anfang 40 ein Burnout oder andere Folgeerkrankungen.

Ich denke an eine humanere Gesellschaft, wo andere Dinge zählen.
Zeit, Zuwendung, Toleranz und Emphatie für alle Menschen.
Da ich aus der Mittelschicht stamme habe ich oft Abstiegsängste, daran arbeite ich. Immer wieder Angst haben mit 50 keinen Job mehr zu finden ist doch nicht normal. Mich beschäftigt das auch gesellschaftspolitisch. Was ist das hier für eine Welt? Was soll der Sinn sein?

Also keine Angst vor der Therapie. Es sollte aber auch eine Gesprächstherapie oder eine andere geeignete Therapie dazu kommen.

Es grüßt Euch

Bine1970

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bär
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Beigetreten: 31.07.2010
Liebe Bine, das mit den

Liebe Bine,

das mit den "Schichten" finde ich jetzt echt interessant.

Weil ich beobacht auch mehr und mehr, dass sich immer so

die gleichen Schichten treffen.........................................................

Selbst in der Kirche empfinde ich das manchmal so. Ja, was

ist das für eine Welt, in der wir leben, versuchen einigermassen

der "Norm" zu entsprechen.

Also ich denke, dass es mehr auf unsere innere Einstellung

ankommt, dass ist es vielleicht nicht ganz so wichtig, in

welcher Schicht ich lebe, oder mit wem ich mich vergleiche.

Weltweit gesehen zählt die Schicht der Sozialhilfeempfäger

in Deutschland, zu den 8% reichsten Menschen dieser Erde.

Das ist die andere Seite, dass wir in einem Land leben dürfen,

wo wir trotz allem irgendwo abgesichert sind, wenn wir

fallen, zumindest äusserlich.

In dieser Spannung lebe ich hier, zwischen Enttäuschung,

dass es hier in Deutschland immer kälter wird, äusserlich

und innerlich, und der Dankbarkeit, in einem doch noch

sicheren Land zu leben, wo ich nicht hungern muss.

liebe Grüsse,

Bär mit Hund