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Soziale Kontakte schleifen lassen

3 Antworten [Letzter Beitrag]
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Glimmender Docht
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Beigetreten: 25.06.2010

Liebe Schwermütige und damit Leidensgenossen,

ich habe da mal eine Frage:

schon seit einigen Monaten geht es mir so, dass ich mich immer mehr von Menschen zurückziehe. Ich lasse Freundschaften fallen, lehne Einladungen zu Veranstaltungen mit mehr als 6 Personen ab, vernachlässige soziale Kontakte, die mir früher sehr wichtig waren (je mehr, desto besser), fühle mich nicht mehr in der Lage, selbst Einladungen auszusprechen und halte mich hauptsächlich zu Hause auf (ausser Fahrten zum Einkauf, Gottesdienst usw.) Komisch ist: es geht mir nicht schlecht dabei, ich fühle mich nicht unglücklich, im Gegenteil, ich geniesse mein zu Hause mehr als früher, geniesse die Zweisamkeit, auch in Form von Gartenarbeit, mit meinem Mann. Und wenn mir wirklich die Decke auf den Kopf fällt, packt mein Mann mich ins Auto, und wir fahren raus.
Ist das für diese Krankheit typisch oder bin ich nur bequem und werde alt!
Laßt mich doch bitte mit dieser Frage nicht allein!
Vielen Dank für Euer Verständnis!
Ruth

Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind (Jes.8,23)

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bär
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Beigetreten: 31.07.2010
Liebe Ruth, mir geht es

Liebe Ruth,

mir geht es ähnlich, und es ist nicht einfach, weil soziale Kontakte, Freundschaften auch wichtig sind. Ich kenne Zeiten von mir, da habe ich mich sonntags in den Gottesdienst gesetzt, und nach dem Amen bin ich gleich wieder gegangen. Soziale Kontakte sind keine Einbahnstrasse, und jeder musss was dafür tun. Was aber, wenn die Kraft fehlt?
Leider geht es in den christlichen Gemeinden oft nach Leistung, wer macht was, wer macht noch mehr, und das ist eigentlich nicht so, wie es die Bibel vorsieht. Es geht auch bei uns um Anerkennung, Leistung Macht. Ich versuche mich jetzt eher an Menschen zu halten, mit denen ich gut auskomme, die auch meine Depris verstehen,.............................................

Und das tut mir wiederum gut. Sonntags leite ich den Gebetskreis in meiner Gemeinde, das fällt mir schon etwas schwerer........................weil da manchmal doch erwartet wird, das ich "gut drauf" bin.................auch so mit Liedern und Andachten, aber das bin ich halt doch nicht immer. Aber ich habe jetzt mehr Zeit, vorher mehr zu entspannen, und bevor ich die Wohnung verlasse, gönne ich mir viel Ruhe.

Schau mal liebe Ruth, das wichtigste Gebot, zuerst Gott lieben, dann dich selbst, und erst dann den Nächsten, diese Goldene Regel.

Also erst mal so ein Sein, ein Leben in Gott. Und dann darst du dich selbst lieb haben, auf dich achtgeben. Wenn es dir gut tut, du dich zuhause gut fühlst, ist das doch in Ordnung, Gott kennt dich doch, und er verlangt nicht mehr, als du geben kannst. Wenn die Waage zwischen dem was du hast, und dem was du gibst nicht stimmt, nicht stimmt, kommen wir in ein Ungleichgewicht.
Du kannst ja auch von zuhause aus für Menschen beten. Und wenn du irgendwo hingehst, wo mehr als 6 Menschen sind, und es dir nicht gut tut, das verlangt niemand von dir. Überfordere dich doch nicht, liebe Ruth. Ein guter Freund, oder eine gute Freundín, die zu einem stehen, ist mehr, als der Rest der Welt. Und so etwas wünsche ich dir liebe Ruth.

Es wird immer wieder Menschen geben, gerade auch in christlichen Gemeinden, die das nicht verstehen,  auch so workaholics, man müsste, man sollte,
Lass dich davon nicht beeinflussen, jeder muss sein Leben selbst vor Gott verantworten.
Konnte früher nie "Nein" sagen, jetzt kann ich es schon viel besser.

Eigentlich bräuchte uns Gott gar nicht, oft halten wir uns selbst für zu wichtig und meinen,
ohne uns geht gar nichts.
Und schau mal Ruth, wie du allein schon in diesem Forum ermutigt hast, das ist doch schon sehr viel.

Leider fehlt es uns Depris manchmal am Selbstbewusstsein, und lassen uns viel zu viel von anderen Menschen sagen und auferlegen, da wünsche ich dir auch viel Kraft und Stärke.

tue, wie du es am besten kannst,
das ist für alle gut,
tue, was nur DU kannst,
und fehlt dir auch manchmal der Mut,
lebe DEIN Leben,
dafür musst du dich nicht schämen,
so ist es gut.

liebe Grüsse,
bär mit hund

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Glimmender Docht
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Beigetreten: 25.06.2010
Der Mut-mach-Bär

Lieber Bär,

hab vielen Dank für Deine ermutigenden Zeilen. Tja, Du hast Recht, ich messe mich leider viel zu oft an anderen Menschen oder lasse mich daran messen! Ich sehne mich in Wirklichkeit einfach nur danach, in Jesu Armen zu liegen und gar nichts tun oder sein zu müssen!
Weißt Du, was die schönste Stunde in meiner Woche ist? Der Montagnachmittag von 16.00-17.00 Uhr. Da bin ich mit meiner Gitarre und einem blinden Freund, der wunderbar Mandoline spielen kann, im hiesigen Seniorenheim und singe mit einer Gruppe. Und wenn ich dort hinkomme, werde ich voller Freude erwartet. Dort muss ich nichts leisten, einfach nur da sein, mit ihnen singen, ihnen Geschichten vorlesen und von Jesus erzählen. Und ihnen das bischen Liebe geben, dass ich habe! Dort werde ich so dankbar, für das, was ich habe und noch kann! Ich bekomme so viel Liebe zurück, dass ich immer die Beschenkte bin.
Alles, was mit Gemeinde zu tun hat, macht mir Stress und Druck. Ich glaube manchmal, die Liebe ist uns in den Gemeinden abhanden gekommen. Deshalb sitze ich manchmal zwischen meinen Geschwistern und fühle mich mutterseelenallein! Aber im Seniorenheim geht es mir ganz anders. Vielleicht kann ich aufgrund meiner Depris besser mit Menschen klarkommen, die nicht mehr alles im Griff haben und auf die Liebe und Hilfe anderer angewiesen sind! Ein geknicktes Rohr fühlt sich inmitten von aufrecht stehenden Gräsern und Schilf eben nicht mehr so dazugehörig.......

Liebe Grüße
vom geknickten Rohr
Ruth

Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind (Jes.8,23)

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bär
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Beigetreten: 31.07.2010
Liebe Ruth, so ähnlich wie

Liebe Ruth,

so ähnlich wie bei dir im Seniorenheim, geht es mir im Haus der Rollifahrer. In der Regel sind die auch ganz arg dankbar, wenn ich sie besuchen komme, was mitbringe, sie durch die Gegend schiebe. Das tut dann auch mir sehr gut. Obwohl manche auch schon einmal "nervig" und unzufrieden sein können, das gibt es auch.

Und ich nehme immer wieder welche mit in die Gemeinde. Früher hat man sich da viel um sie gekümmert, jetzt ist das leider nicht mehr so. Aber liebe Ruth, ich denke, gerade wir Depressive denken und erleben viel tiefer, auch was es bedeutet, an einer Krankheit zu leiden.

Ja, es ist schade, dass sich in den Gemeinden viel gedreht hat, finde ich. Man hat viel mehr Möglichkeiten, auch in Bezug auf Technik usw., und wir denken, wir kriegen das schon hin.

Vielleicht leben wir nicht mehr so in der Abhängigkeit zu Gott. Und vielleicht kommen auch nicht mehr die Menschen, die Kranken, Behinderten, ........

es wird kälter, und wir Depris spüren das einfach, oder Menschen  lassen uns das spüren...................

Und doch, versuche ich es immer wieder.Menschen zu finden, die ähnlich denken oder fühlen, und dann erlebe ich auch wieder mas was Überraschendes.

Weisst du liebe Ruth, Jesus ist unser Anker, der Mittelpunkt. Ich muss auch immer mehr lernen, auf ihn zu schauen, nicht auf Menschen. Und Du, ich habe auch meine Fehler, Zweifel, Ängste, Macken, brauche auch immer wieder Vergebung.

Ja, es ist nicht immer einfach, aber doch spannend. Gerade auch dieses Harren auf Gott, wenn man meint, es geht gerade gar nichts. Dann aber im Vertrauen weiterharren, das ich diesen Gott wieder erfahre, wie sich plötzlich doch wieder Türen auftun., sich Situationen ändern können., darau möchte ich weiter hoffen..........

Aber schön, dass Du so einen guten Mann zuhause hast. Da geht es mir ähnlich, dass meine Frau mich immer noch erträgt, aufmuntert, das ist ein 'Geschenk. Sie lebt viel leichter als ich, nimmt nicht alles so schwer, erledigt Dinge, die ich in meiner Depriphase eben nicht mehr tun kann, und dann werde ich auch irgendwo wieder dankbar, zufriedener..

Ich wünsche dir in deiner Zeit,
Zeit der Zufriedenheit,
und auch der Dankbarkeit.

liebe Grüsse,
Bär mit Hund.........

und liebe Ruth, es braucht Menschen in unserer Zeit, Menschen so wie DU!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!...........................