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Unsicherheit als Partnerin

4 Antworten [Letzter Beitrag]
Sovay
Offline
Lebt sich ein
Beigetreten: 19.07.2011

 Hallo!

Ich bin neu hier und weiß gar nicht recht wie ich anfangen soll. Zunächst einmal, bin ich doch ziemlich verzweifelt und hoffe mir, von euch den ein oder anderen Tip zu bekommen.

Ich bin erst seit kurzem mit meinem Freund zusammen. Die erste Zeit war total schön und durch viel Zuneigung, Aufmerksamkeit und Fürsorglichkeit geprägt. Nach einigen Wochen kippte es. Er sagte Treffen ab und war sehr schlecht drauf. Wir unternahmen gar nichts mehr und befanden uns auschließlich bei ihm oder bei mir in der Wohnung. Er war nicht zu motivieren aus dem Haus zu gehen. 

Nach und nach erfuhr ich, dass er seit einem Jahr Fluoxetin nimmt und welche Umstände dazu geführt haben. Er erzählte mir, dass er die Tabletten abgesetzt hätte, weil er dachte, er schafft es auch ohne. Er war der Ansicht, es allein schaffen zu wollen und das sich seine Stimmung wieder von allein reguliert. Tat es aber nicht, er distanzierte sich körperlich stark von mir. Er konnte und kann mich nicht mehr anfassen (küssen, in den Arm nehmen und Sex) allerdings darf ich ihn, wenn wir z. B. auf dem Sofa liegen, kraulen. Aber er berührt mich gar nicht, als wenn er sich ekeln würde. Was ja auch zu einer totalen Unsicherheit bei mir führt, da wir halt noch nicht so lange zusammen sind.
Auch stößt er mir häufiger vor den Kopf, als wenn er mich beleidigen würde bzw. will.
Natürlich hat er mehrfach versucht, die Situation zwischen uns zu beenden, weil er mich nicht mit runter ziehen will und nicht belasten will. Und es gab etliche Situationen wo es ein hin und her gab. Und ich will ihn halt nicht aufgeben, da ich denke, dass es Sinn macht, dass durchzustehen. Ich habe bereits eine Situation mit ihm erlebt, in dem er völlig aufgelöst und fertig war und mir über seine Suizidgedanken berichtet hat. Und ich bin ihm da nicht von der Seite gewichen und dachte, es wäre schlecht ihn allein zu lassen. Das sind für mich schon auch sehr belastende Situationen.
Auch er nun auch gesagt und eingeräumt, dass er doch auch meine Hilfe und Unterstützung will. Die ich ihm auch geben möchte aber ich habe Angst, was falsch zu machen. Diese Berg- und Talfahrt belastet mich sehr und ich versuche meine eigenen Probleme zurück zu nehmen. 
Wir haben es bisher geschafft, dass er zunächst mit den Tabletten wieder angefangen hat und auch einen Therapeuten suchen will. 
Dennoch weiß ich nicht, wie ich mich richtig Verhalten soll. Und es fällt mir schwer, sein Verhalten nicht auf mich zu beziehen. 

Ich danke euch erstmal, dass ich das hier schreiben durfte und hoffe auf Antworten!
Viele Grüße
Sovay

Bild von bär
bär
Offline
Forenurgestein 4.100 Beiträge

Land

Deutschland
Beigetreten: 31.07.2010
Liebe Sovay, erstmal herzlich

Liebe Sovay,

erstmal herzlich willkommen hier bei uns im Forum. Ja ich

wünsche dir auch, dass du hier wertvolle Tips und Anregungen

bekommst. Es ist aber toll von dir, dass du dich so auf deinen

Freund einlassen kannst, und ihm sogar helfen möchtest.

Du schreibst, die erste Zeit war voll schön.......................ja

Menschen mit Depression sind ganz arg wertvolle Menschen

und oft auch sehr sensibel.

Aber es kann ja wieder werden. Tabletten sind gut, man darf

sie aber nie zu früh absetzen. Das ist oft unser Wille unser

Stolz, sich selbst und anderen beweisen zu müssen, wir

schaffen es ohne. Ein Mensch im Rollstuhl kann auch nicht

plötzlich seinen Rollstuhl wegwerfen und sagen, jetzt bin

ich gesund, jetzt brauche ich keinen Rollstuhl mehr.

Eine Gesprächstherapie wäre gut für deinen lieben Freund,

wo er einmal alles aufarbeiten könnte, was ihm seelisch so

schaffen macht. Dadurch kann sich die Chance eröffnen,

von diesen Tabletten eher wegzukommen, oder eine nicht

ganz so hohe Dosis nehmen zu müssen.

Wenn du ihn lieben und annehmen kannst, so wie er jetzt

gerade ist, du ihm Mut und Hoffnung zureden kannst, dann

hast du schon viel getan. Liebe dich aber weiterhin auch selbst,

 

sonst könnte es passieren, dass du selbst keine Kraft mehr

hast, wir Depris können sehr anstrengend sein. Tue dir was

Gutes, auch mal ohnen deinen Freund.

Das Wort "Sex" finde ich in dem Zusammenhang nicht ganz

so passend. Dieses Wort ist in unserer Gesellschaft so

mit Leistung behaftet, als Mann muss man es im Bett einfach

bringen. Aber durch die Tabletten und die Depri können

es diese Menschen eben nicht immer so geben.

Vielleicht hat er Angst davor, und möchte deshalb gerade

nicht weiter gehen, oder er ist gerade so in sich selbst ver-

strickt, dass er gerade nicht besser kann.

Mir kommt da eher das Wort Sexualität in den Sinn, eine

ganzheitliche Liebe mit Leib, Seele. (Herz, Gefühl) und Ver

stand. Es kann zur Liebe im Bett kommen, muss aber nicht.

Jeder Blick, jedes Geschenk dass ihr einander macht, jede

Berührung, jedes freundliche Wort, jede Annahme,....................

ist ein Teil dieser Sexualität. Man ist befreit von der

Leistung.................immer und überall, und das vielleicht nur

körperlich.

Wir Depris brauchen Liebe, und auch Sexualität tut uns

ganz arg gut, und trägt zur Heilung bei...................................

Liebe Sovay, schaue dich hier einfach um, wo du noch sehr

viele Tips bekommen kannst, stelle deine Fragen..................

Ich wünsche dir eine gute Zeit mit deinem Freund. Schwere

Zeiten im Leben gemeinsam durchmachen, erleben, verbindet

oft mehr, als wenn alles immer so glatt läuft.

viele liebe Grüsse,

hund und bär.

 

Bild von Marsella73
Marsella73
Offline
Moderatorin

Land

Spanien
Beigetreten: 22.02.2010
Liebe Sovay, erstmal

Liebe Sovay,

erstmal herzlich willkommen hier im Forum. Schön, dass Du zu uns gefunden hast.

Ich kann Deine Angst und Bedenken gut verstehen, möchte Dir aber vor allem Mut machen, da die momentane Lage zwischen Dir und Deinem Freund nicht ausweglos ist. Es kann aber, darauf musst Du Dich einstellen, etwas schwieriger sein, wenn man mit einem Depressiven zusammen ist.

Eins möchte ich Dir schon einmal vorweg sagen. Dass Dein Freund sich von Dir zurückzieht (auch körperlich), ungern aus dem Haus geht und im Umgang sehr schwierig ist, liegt mit großer Sicherheit daran, dass er das notwendige Antidepressivum einfach abgesetzt hat. Gut ist, dass er Deine Hilfe annehmen möchte und selber weiß, dass es so für ihn nicht weitergehen kann. Dass er zum Therapeuten (am Besten ein Psychiater) gehen möchte, ist ein gutes Zeichen.

Versuch immer, auch wenn es schwer fällt, die Distanz zwischen Euch und auch mögliche Beleidigungen, nicht auf Dich zu beziehen.
Ich weiß, dass das nicht einfach ist. Spreche da aus eigener Erfahrung, mein Mann Don Limpio hat schwere Depressionen und war eine Zeit lang nicht mit den richtigen Medikamenten eingestellt. Ich sag's jetzt mal direkt: Diese Zeit war, nicht nur für ihn, zum Kotzen...
An ein normales Zusammenleben war nicht ansatzweise zu denken.

Jetzt bekommt mein Mann andere Medikamente und es ist zwischen uns ein Unterschied wie Tag und Nacht. Er ist kaum wieder zu erkennen, was aber nur positiv zu verstehen ist.

Mach Dir immer wieder klar, dass das, was Dein Freund gerade sagt, wenn es ihm schlecht geht, nicht so gemeint ist. Wenn es ihm wieder besser geht, kann er das bestimmt bestätigen.

Wenn Du bei Deinem Freund bleibst, kannst Du eigentlich nichts falsch machen. Das ist das Beste, was ihm passieren kann, weil er Dich eigentlich gerade jetzt braucht. Steh ihm zur Seite, aber bestehe weiterhin auf den Arzttermin und dass er seine Medikamente nicht einfach selber absetzt.

Ich wünsche Dir viel Kraft! Hier im Forum bist Du gut aufgehoben. Wenn Du Fragen hast, melde Dich einfach. Hier sind einige andere Leute, die bestimmt noch einen guten Rat für Dich haben.

Liebe Grüße

Marsella

 

Sovay
Offline
Lebt sich ein
Beigetreten: 19.07.2011
 Guten Morgen

 Guten Morgen,
vielen Dank für Eure Nachricht! 
Ja es fällt mir gar nicht so einfach, seine Stimmung nicht auf mich zu übertragen. Und was mir noch viel schwerer fällt ist, sein Verhalten nicht persönlich zu nehmen. In einigen Momenten denke ich, "ob er mich nur ausnutzt" oder "wenn es ihm dann besser geht, trennt er sich" ... Weißt du, wir sind erst drei Monate zusammen und seit über drei Wochen sind seine Depressionen sehr schlimm. Und aufgrund der kurzen Zeit, fällt es ja auch schwer, einen Menschen einschätzen zu können und ihm zu vertrauen. (Auch beidseitig) 
Was auch so ein Punkt ist, dass er je nach dem wie es ihm geht total wiedersprüchlich ist. Dann sagt er, dass ich mich zu wenig melde und mich zu sehr zurück nehme und besser auf ihn aufpassen soll und auf der anderen Seite, fühlt er sich dann bedrängt, kontrolliert und eingeengt. Wie soll ich die "goldene" Mitte finden?? 
Dein Hinweis mit dem "Sex" finde ich richtig, war aber tatsächlich nicht von mir so gemeint. Es ist auch völlig ok für mich, wenn Sexualität derzeit nicht vorhanden ist. Mir ist es wichtig, dass ich ihn regelmäßig sehe und wir reden und er mir vertrauen kann. Er sagte mir vor einigen Wochen, dass er mich nicht als Frau, sondern nur als Mensch sehen kann, weil er nichts spührt. Das ist für mich schon auch schlimm, weil ich ja schon als Frau wahrgenommen werden möchte.
Ich will ihm gar keinen Druck machen, ich glaub den mach ich mir schon am meisten. Aber sich "richtig" zu Verhalten ohne von einem Fettnapf in den nächsten zu treten ist unglaublich schwer.

Zu den Tabletten und den Arztterminen: Ich muss ja drauf vertrauen, dass er das macht und mir nicht nur was erzählt, damit ich zufrieden gestellt bin. Wir wohnen ja nicht zusammen und er distanziert sich schon sehr. Wir haben sonst mindestens einmal am Tag telefoniert und viele SMS geschrieben, jetzt gerade bekomme ich gerad mal eine SMS. Ich versuche ihn mit liebgemeinten Erinnerungssms an seine Tabletten zu unterstützen (das war sogar so abgesprochen) aber ich weiß nicht, ob er sie dann auch nimmt. Aber als wir letztes Wochenende zusammen verbracht haben, hat er sie mir gezeigt und genommen. Also hoffe ich darauf, dass er sie auch nimmt, wenn ich nicht da bin.
Es ist wirklich nicht so einfach und ich habe hier andere Beiträge gelesen, wo die Paare natürlich schon um ein vielfaches länger zusammen sind. Ich fühl mich gerad sehr klein und hilflos.  

Erst einmal liebe Grüße und vielen Dank,
Sovay 

Bild von Don Limpio
Don Limpio
Offline
Einfach glänzend...

Land

Spanien
Beigetreten: 07.01.2010
Hallo Sovay, ich bin der Mann

Hallo Sovay,

ich bin der Mann von Marcella und depressiv.

Für Leute wie mich ist es manchmal nicht leicht zu zeigen, was wirklich in uns vorgeht.
Wie Marsella schon schrieb, ging es mir bis vor ein paar Wochen extrem schlecht.

Wenn es einem schlecht geht ist man nicht gut drauf.
Stell Dir mal vor, Du hast rasende Zahnschmerzen. Wochenlang und nichts hilft.
Eine Depression ist um Längen schlimmer.

Vielleicht gelingt es Dir mit diesem Bild im Kopf besser, ein Verständnis für Deinen Freund zu entwickeln.

Als es mir richtig schlecht ging, sagte ich manchmal Dinge zu meiner Frau, für die ich mich heute richtig schäme.

Don


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