Kann man Co-Abhängigkeit weitergeben???
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Hallo an alle,
ich bin neu hier, brauche dringend euren Rat.
Ich falle mal gleich mit der Tür ins Haus & klopfe hinterher an.
Kann es sein, dass jemand, der als Angehöriger eines depressiven Menschen co-abhängig wird, diese Co-Abhängigkeit weitergibt??? Das also eine Art "Co-Abhängigkeitskette" entsteht???
Nun das Anklopfen:
Die Mutter meines Freundes, mit dem ich seit 2 Jahren zusammen bin, scheint mir schwer depressiv. (Eine ärztliche Diagnose gibt es nicht, das ist mein eigener Schluss, ihre Gedanken sind grundsätzlich negativ, ihre Lebeneinstellung pessimistisch, sie kann sich über nichts freuen, ihr Job gefällt ihr nicht, sie meckert über alles & jeden, sie verkriecht sich zu Hause, man kann ihr nichts Recht machen etc.) Ich weiß nicht, wie lange genau sie jetzt schon so ist, aber ich denke, es fing vor ca. 15 Jahren an als sich ihr Mann von ihr scheiden ließ. Mein Freund war damals erst 13/14 Jahre, außerdem der ältere von 2 Brüdern.
Mir ist dieser Co-Abhängigkeitskette-Gedanke heute erst gekommen, weil wir uns (wiedermal) richtig dolle gestritten hatten (mit schmerzenden Beleidungen, bösen Vorwürfen & Kontaktabbruch von seiner Seite). :(
Leider kam mir (nun schon zum wiederholten Male) der Gedanken, die Beziehung zu beenden, :( weil ich diese ewigen Streitereien nicht mehr aushalte :( & mich wieder besser in meiner Haut fühlen möchte. (Ich habe eigentlich ein sonniges Gemüt, denke positiv... nur so bin ich schon eine Weile nicht mehr. Ich fühl mich ausgelaugt & leer, ziehe mich zurück, lache nicht mehr so unbefangen... bin aber der Meinung, dass ich gar keinen Grund dafür habe & so nicht sein will & auch nicht bin.)
Seht ihr was ich mit "Kette" meine? Mutter depressiv - er co-abhängig - ich nun ansatzweise auch... :(
Deswegen meine Frage mit der "Co-Co-Abhängigkeit". Gibt es das? Kann man da etwas machen? Wenn ja, was???
Ich liebe meinen Freund über alles. Ich hab auch immerwieder die Kraft gehabt, weiterzukämpfen für uns & unsere gemeinsame Zukunft. Doch ich merke jetzt, dass meine Kraft langsam schwinded. :( Aber ich möchte das nicht. Ich möchte mit ihm zusammen sein, mit ihm alt werden, bis in alle Ewigkeit an seiner Seite sein. (& eigentlich beruht das auf Gegenseitigkeit. Bis eben auf diese schmerzlichen Momente, in denen er mich von sich wegstößt.)
Was kann ich tun, um mich aufzufangen, aber auch um für meinen Freund die Stütze zu sein, die er braucht??? Wie soll ich jetzt mit seinem Kontaktabbruch umgehen???
Soll ich ihn auf meine Überlegungen ansprechen? Seine Mutter? Oder sollte ich vielleicht mit seinem Vater reden? Soll ich warten bis er sich wieder meldet? Was, wenn er das nicht tut? :(
Ich habe Angst, diesen mir sehr wertvollen, wunderbaren Menschen zu verlieren. :(
Bitte helft mir. Ich weiß wirklich nicht, was ich machen soll. :(
Schiedding
PS: Falls meine Ausführungen unpassend formuliert waren, bitte ich das zu entschuldigen. Ich wollte damit niemanden zu nahe treten. Ich kann das alles grad noch gar nicht richtig greifen. Sorry!
Liebe Schidding,
ja, ich glaube, dass es so etwas wie einen "Teufelskreis" gibt,
ein Kreis, der niemandem gut tut. Man gibt aus Frust seinen
Frust weiter, dass auch andere in diesen unguten Kreis
geraten, und freut sich noch darüber.
Das ist bei vielen unguten Sachen so, gerade auch bei Süchten,
wie Alkoholsucht, Spielsucht, Nikotinsucht usw.
Die einzige Chance ist, diesen Kreis zu durchbrechen, um
in einen guten Kreis, nenne ihn mal den Kreis der Liebe, der
Hoffnung, des Lebens zu kommen.
Ausbrechen, diese Frau mit deinem Freund verlassen, wenn
auch nur mal eine Zeitlang, bis sich vielleicht was ändert,
ansonsten bleibst du in dem Abhängigkeitskreis.
Wenn dein Freund nicht mitgeht, musst du dich fragen, was
ist dir wichtiger, mein Leben oder mein Freund.
liebe Grüsse,
hund und bär.
Liebe Schidding,
da hast du es gerade nicht einfach, wenn die Mutter sich so
um ihren Sohn klammert, dass der fast keine Luft mehr
bekommt, zum Atmen.
Mir fällt da ein ganz alter Vers aus der Bibel ein.
"Eines Tages wird der Sohn Vater und Mutter verlassen,
und bei seiner Frau sein."
Verlassen heisst verlassen, jetzt kommt eine neue Zeit.
Natürlich ist die Mutter nicht vergessen, aber das wichtigste
sollte jetzt die seine Frau im Leben sein. Viele Mütter
wollen festhalten, können nicht loslassen, habe doch alles
für ihn gegeben, und jetzt.
Aber wer nicht loslassen kannn, ist nicht bereit für etwas
Neues.
Und jetzt ist dein Partner in einer Zwickmühle, wie soll
er sich entscheiden, aber er muss sich entscheiden, und
keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung.
Aber du hast recht, so ein Leben ohne Entscheidung macht
sehr, sehr müde, und es ist für dich gut, dass du dich für
das Leben entscheidest.
Aber ohne ihn................
Mit ihm ist es nicht einfach, aber auch nicht ohne ihn.
im Zweifelsfalle mit dem, womit du selbst am besten leben
kannst, auch wenn es jetzt ganz arg weh tut.
Vielleicht kommt er auch wieder zurück, und hat sich
entschieden.................
liebe Grüsse,
hund und bär.
Liebe Schiedding,
da sitzt du jetzt in deinem Zug und denkst über alles nach.
Ein wunderschöner Tag, und dann dieses Ende. Zwischen dir
und deinem lieben Freund steht diese Mutter, manchmal aus-
gesprochen, manchmal unsausgesprochen.
Es ist aber echt nicht einfach für dich, wenn dein guter
Freund sich nicht entscheiden kann. Gibt es irgendwo eine
Mitte, einen Kompromiss..............................................................
mit dem ihr beide leben könnt.
Oftmals ist es besser aus einem gewissen Abstand heraus zu
helfen. Man ist unabhängiger...................................................,
nicht so gebunden und abhängig.
Mütter können ganz schön fest an ihren Söhnen festhalten,
ich habe dich erzogen, versorgt, alles für dich getan und
jetzt.....................................................................................jetzt
wo ich Hilfe brauche lässt du mich im Stich..........................
und dein Freund ist hin- und hergerissen.
Für die Mutter bist du jetzt die Konkurrenz, willst ihren
Sohn wegschnappen..........................
Dein Freund müsste sich klar entscheiden, für dich, oder
für seine Mutter. Das heisst ja nicht, dass er seiner Mutter
mal nicht helfen und beistehen kann, aber die wichtigste
Person in seinem Leben müsstest DU sein.
Da musst du echt aufpassen, auch wenn es natürlich schmerzt.
Es wird immer wieder zu Unstimmigkeiten kommen, zu Ver-
letzungen, wenn dein Freund sich nicht für dich entscheidet.
Und die Liebe die du zu dir selbst hast ist jetzt sehr
wichtig.
Ja, eine Trennung schmerzt und tut ganz arg weh, aber ein
Leben lang in diesem Zwiespalt zu leben, ist fast noch
schlimmer.
............und keine Enscheidung ist auch eine Entscheidung..........
redet darüber.............aber passe bitte gut auf dich selbst
auf.
liebe Grüsse,
hund und bär.
) Es war ein wunderschöner Tag!
Nur als am Ende das Thema Wann Wo wieder treffen aufkam & ich nicht sofort sagen konnte, ich komme morgen zu dir, wurden sofort wieder Vorwürfe laut, ich wolle eh überhaupt nicht mehr zu ihm kommen, könne seine Mutter nicht ausstehen & mein Leben, weit weg von ihm, wäre mir wichtiger... 



Land
Lieber Bär,
danke für deine Antwort.
"Teufelskreis" - das trifft es mir sehr passend. Aus solchen Kreisen auszubrechen ist niemals einfach. *seufz*
Umso mehr, da wir ja eigentlich schon 16 000km von seiner Mutter weg sind. Wir leben in Melbourne. Aber trotzdem wird jede Woche mind. 1x telefoniert. Er ruft seine Mam an & sie telefonieren manchmal sehr lange, manchmal nur kurz. Nach den meisten Telefonaten ist er wütend, traurig, aufgebracht oder grummelig... selten gut gelaunt.
Zur Zeit sind wir gerade in Deutschland, getrennt bei unseren Familien... da ist der mütterliche Einfluss umso stärker... :(
Er sagt auch selber, in der Nähe seine Familie gehe es ihm nicht gut. Was ich persönlich sehr traurig find. :(
Aber wie kann man allgemein von seiner Familie loskommen??? Und selbst wenn es einen Weg gäbe, er würde wahrscheinlich niemals! seine Mutter zurücklassen. Er als ihr Sohn liebt sie umso mehr, da kein anderer in ihrem Leben ist & sie liebt.
Und die Wahl "deine Mam oder ich" wenn auch nur zeitbegrenzt, wage ich überhaupt nicht in Betracht zu ziehen, denn ich weiß, ich hätte nicht die geringste Chance & wer bin ich denn, ihn vor eine solche Wahl zu stellen? :(
Meine Hoffnung ist ja, dass sich seine Mutter in Behandlung begibt & es ihm auch helfen würde, er "abgeguckte" Verhaltensmuster an sich erkennt & ablegen kann - ein "Engelskreis" vielleicht. ;)
Frage ist nur, wer darf/kann diese Idee ansprechen???
Ansprechen ist im Moment zudem auch das nächste Problem - er hat jeglichen Kontakt zu mir abgerochen... :(((
Ich hab lange, viel & immer wieder aufs neue Kraft & Energie & Hoffnung für uns gehabt, leider muss ich feststellen, dass das langsam nachlässt. :( Ich verabscheue es & würde mir wünschen, ich könnte weiter so stark & hoffnungsvoll sein, aber im Moment weiß ich nicht, woher ich diese Energie nehmen soll. :( Ich bin, kräftemäßig, einfach fertig. :( Das ist wohl das allertraurigste an dieser Situation. *seufz* :((
Ich kann dir aber auch sagen, dass mir mein Leben schon wichtiger ist als mein Freund. Aber mein Leben ohne diesen wundervollen Menschen...? :(
Liebe Grüße,
Schiedding
Bedenke: Ein Stück des Weges liegt hinter dir, ein anderes vor dir. Wenn du verweilst, dann nur, um dich zu stärken, aber nicht um aufzugeben. ~ Augustinus Aurelius ~