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Eine kurze Zusammenfassung meiner Geschichte

Wenn ich die ganze Sache heute rückblickend betrachte, wurde der Grundstein zu meiner Depression schon in frühester Kindheit gelegt.

Ich hatte einen trinkenden Vater, dem man nichts recht machen konnte. Was heute gut und richtig war, war am nächsten Tag grundfalsch und am übernächsten wieder erwünscht und richtig.
Die Strafen für falsche Handlungen waren in der Regel Schläge oder Verachtung und Häme.
Auf jeden Fall war ein Lob die krasse Ausnahme.
Während meiner gesamten Kindheit begleitete mich eine tiefe Angst vor meinem Vater. Man muss sich das so vorstellen, als wenn man mit einem unberechenbaren, wilden Tier in einem Käfig sitzt. Jahrelang!

Schon als kleiner Junge musste ich hart und viel auf unserem Bauernhof arbeiten. Viele Jahre meiner Kindheit rutschte ich auf Knien über große Felder, musste Steine schleppen und permanent auf unserer Dauerbaustelle arbeiten oder das Vieh versorgen. Oftmals schon morgens vor der Schule.
Andere durften zum Spielen ich nur sehr selten.

Als ich mit 16 Jahren die Schule beendete, suchte ich mir eine Lehrstelle in einer weit entfernten Stadt. Ich wollte dem Terror Zuhause entkommen.
In meinem letzten Schuljahr konnte man mich fragen wann man wollte, ich wusste stundengenau wie lange ich es noch Daheim aushalten musste.

Schon am ersten Tag in der Fremde, begann ich Alkohol zu trinken.
Nicht weil ich das Zeug besonders gemocht habe, sondern weil es mir nach ein paar Glas Bier einfach besser ging. Damals wusste ich jedoch noch nichts von Depressionen. Aber wie ich heute weiß, war ich schon krank.
Die ständige Überforderung in der Kindheit hatte Spuren hinterlassen, mit denen ich teilweise noch heute kämpfe.

Es dauerte nicht lange und ich geriet mehr und mehr außer Kontrolle.
Ich wurde zu einem Schläger und Trinker.
Meine Freunde setzten sich aus Schlägern und Rockern zusammen. Die meisten waren wesentlich älter als ich, doch aufgrund meiner Wildheit war ich voll anerkannt.

Die nächsten 12 Jahre waren ein steter Weg nach unten.
Durch die vielen Schlägereien hatte ich oft Schwierigkeiten mit der Polizei, kam aber immer relativ glimpflich davon.
Mit etwa 25 Jahren bewegte ich mich im Zuhälter- und Geldeintreibermilieu.
Auch mein Alkoholkonsum stieg über die Jahre stetig an.

Etwa 1996 kam, was kommen musste. Ich stürzte völlig ab.
Immer öfter lebte ich auf der Strasse. Zwischendurch kam ich zwar immer wieder bei Kneipenbekanntschaften unter, doch durch meine Gewalttätigkeit hielt es niemand lange mit mir aus.
Als ich wieder einmal bei einem Bekannten rausgeworfen werden sollte weil ich meine fällige Untermiete nicht zahlen konnte, kam ich auf die äußerst dumme Idee einen bewaffneten Raubüberfall zu bgehen. Mein Ziel war ein großer Baumarkt in Berlin.
Die Sache dauerte nur wenige Minuten, doch draußen erwartete mich ein Großaufgebot an Polizei.
Es war wie in einem Krimi. Etwa ein dutzend Polizisten richteten ihre Waffen auf mich und brüllten um die Wette. Als dann noch eine Blendgranate explodierte war alles vorbei.
Jetzt saß ich im Gefängnis.

Hier kam ich zum ersten Mal im Leben mit Gott und der Bibel in Kontakt. Ich war 23 Stunden am Tag eingeschlossen in einer Zelle. Kein Fernsehen und pro Woche drei Bücher, die ich in der Regel schon nach 2 Tagen ausgelesen hatte.
Aus lauter Langerweile begann ich in der Bibel zu lesen.
Zu dieser Zeit war Gott, aus meiner Sicht, etwas für Schwächlinge, Spinner und alte Leute die bald sterben müssen und die noch irgendeinen Halt brauchten.
Nichts für mich!

Nach einigen Wochen betete ich zum ersten Mal. Ich bat Gott mich aus dem Gefängnis zu holen. Wenn das geschehen sollte, wollte ich an ihn glauben.
Das Wunder geschah.
Nach einer längeren Untersuchungshaft wurde ich zur Bewährung entlassen. Normalerweise hätte mich damals ein Strafrahmen von mindestens 5 Jahren erwartet.
Ich konnte es nicht fassen.

Voller guter Vorsätze wollte ich mein neues Leben beginnen, aber nur um schon nach wenigen Tagen vollständig zu scheitern.

Das nächste Jahr zählte zu den schlimmsten meines Lebens. Ich trank täglich bis zu drei Flaschen Schnapps und lebte im Trinkermillieu an einem Berliner Bahnhof.

Am 13. August 1998 war meine schwere Alkoholsucht von einer Minute zur nächsten weg. Dies war auch wieder eine Antwort auf ein Gebet.
Monatelang hatte ich versucht mit dem Alkohol Schluss zu machen, aber nur um kläglich zu versagen.
Und plötzlich alles gut....

Ab diesem Zeitpunkt begann ich ein völlig neues Leben.
Ich habe mich seit diesem Datum nie wieder geschlagen. Auch mit dem Alkohol war weitestgehend Schluß.
Ich hatte lediglich in eingen besonders schweren Lebenssituationen wieder auf den altbewährten Tröster gesetzt. Es bekam mir nicht gut. Doch ich hatte die Sache immer schnell wieder im Griff.
In dem selben Maße in dem ich vorher mein Leben zu Grunde gerichtet hatte, begann ich jetzt zu arbeiten. Extrem hart und extrem viel.
Durch die Erfahrungen meines bisherigen Lebens wusste ich, das ich als Angestellter keine Chancen hatte.
Ich wollte zwar, aber an besonders depressiven Tagen konnte ich einfach nicht arbeiten. Zumal ich damals noch nichts von Depressionen wusste.
Macht das mal einem Chef klar....

Die logische Konsequenz war eine eigene Firma. Und es funktionierte.
Schon ein halbes Jahr nach meiner Obdachlosigkeit hatte ich eine kleine Wohnung eingerichtet und vor der Tür stand ein gebrauchtes Auto. Alles bar bezahlt.
Das war der Weg nach dem ich so lange gesucht hatte. Ich hatte endlich meinen Platz im Leben gefunden auch wenn mir diese elenden Depressionen immer mehr zusetzten.
Hatte ich mich vorher mit Unmegen an Alkohol betäubt, so war jetzt die Arbeit mein Fluchtpunkt.
Wie gesagt, ich hatte das nicht bewusst herbeigeführt, sondern ich merkte das es mir dadurch besser ging.
Ich hatte sofort großen, wirtschaftlichen Erfolg und lernte meine damailge Partnerin kennen.

Im Jahr 2001 zogen wir gemeinsam nach Köln und etwa ein Jahr später nach Norddeutschland.
Bei einem befreundeten Unternehmer fing ich als Außendienstler im landwirtschaftlichen Bereich an. Ich verdiente gutes Geld.
Als Nebenjob arbeitet ich bei einem anderen Freund in einem Ingenieursbüro. Insgeamt etwa 70 bis 90 Stunden die Woche. Als Depressiver!!!!

Irgendwann kam was kommen musste, ich brach völlig zusammen.
Eines Morgens stand ich vor dem Badezimmerspiegel und brachte es nicht fertig mir die Zähne zu putzen. Trotz Aufbietung meines gesamten Willens.
Ich ließ mich krankschreiben und es begann eine monatelange Ärzte-Odysee. Alle dockterten nur an den Symptomen herum, doch niemand suchte die Ursache des Problems.
Ich wog damals nur noch 67 Kilo bei 190 cm Größe und selbst ein kurzer Sprint über die Strasse schaffte mich derartig, das ich auf der anderen Seite stehen bleiben musste um neue Kräfte zu sammeln.

Ein Rheumatologe stellte dann irgendwann die Diagnose Depressionen. Nur ich wollte davon nichts wissen.
Depressionen! Ich... Das ich nicht lache!
Aber er hatte Recht.

Zu dieser Zeit wurde ich von meiner damaligen Partnerin verlassen. Dieser Schlag warf mich völlig aus der Bahn.
In den folgenden Monaten verlor ich beide Arbeitsplätze und auch das Haus in dem wir wohnten.
Es dauerte etwa 1,5 Jahre um aus diesem Loch herauszufinden.
In dieser Zeit wollte ich mir auch einmal das Leben nehmen. Ein alter Arbeitskollege rettete mich 15 Minuten! vor der von mir festgesetzten Sterbezeit.

Im Jahre 2004 lernte ich meine heutige Frau kennen.
Dies war einer der größten Glücksfälle meines Lebens. Mit Ihrer lieben und toleranten Art führte sie mich langsam aber stetig ins Leben zurück. Ich begann wieder Zutrauen in meine Fähigkeiten zu gewinnen und bekam mein Leben wieder in den Griff.

Zwei Jahre später wanderten wir nach Skandinavien aus und noch mal zwei Jahre später nach Spanien. Wir haben es nie bereut.

Heute ist mein Leben schön wie nie zuvor, auch wenn die Depression noch immer da ist.
Doch mit Hilfe von Medikamenten und viel Sport habe ich damit zu leben gelernt. Auch wenn es heute noch immer wieder Tage gibt an denen garnichts geht.

Kommentare

Bild von sibbdat

Da kann man nur staunen

Lieber Don Lompio, danke für Deine "Geschichte". Ja, da komme ich ins Staunen über die Größe unseres Herrn. Danke Jesus, das Du den Don so lieb hast und ihm die ganzen Jahre nach gegangen bist. Segne ihn und auch seine liebe Frau.

Sibbdat