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Burnout und der Weg in die Depression

Vor ein paar Wochen telefonierte ich mit einer alten Freundin in Deutschland. Wir sind schon seit 17 Jahren befreundet, hatten uns aber in den letzten Jahren, seit unserer ersten Auswanderung, aus den Augen verloren. Es wurde ein sehr langes Gespräch, was bei alten Freundinnen, die lange nichts voneinander gehört haben, wohl Niemanden wundert.
 
In der Zwischenzeit ist bei ihr viel passiert (neue Arbeit, neue Wohnung, neue Beziehung und die Kinder ein paar Jahre älter). 
 
Meine Freundin ist ein totaler Lebe-Mensch, man könnte sie auch einen „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“ nennen. Weil sie aber so ist und immer alles perfekt machen will und sich unnötig Stress macht, hatte sie vor einigen Jahren schon einmal Depressionen und bekam vorübergehend Medikamente
 
Das fiel mir während des Gesprächs ein, als sie beim Erzählen kaum ein Ende fand und von einem Thema ins Nächste fiel. 
 
Als sie mir von anhaltenden Schlafstörungen erzählte, wurde ich hellhörig und schnitt vorsichtig das Thema Depressionen an.
Daraufhin antwortete sie sehr ausweichend und ich sagte ihr noch einmal ganz direkt, dass sich ihre Schilderungen total nach einer Depression anhören würden. Neben ihren Schlafstörungen hat sie nämlich verschiedene andere Symptome (extreme Erschöpfung, Unruhe und Sorgen), die mich darauf schließen ließen. 
 
Ihre Antwort machte mich etwas stutzig, denn sie sagte, dass sie keine Depressionen habe, sondern „nur“ ein Burnout-Syndrom....
 
Ich kenne Leute, die wurden von ihrem Burnout so aus der Bahn geworfen, dass sie gar nichts mehr geregelt bekommen haben. Bei meinem Mann ging es sogar soweit, dass er vor Erschöpfung nicht mehr in der Lage war, sich die Zähne zu putzen. 
 
Dann fragt man sich natürlich, „nur“ ein Burnout???
 
Mittlerweile glaube ich, dass unsere Gesellschaft uns in diese Situation gebracht hat. 
„Burnout-Syndrom“, das klingt doch viel besser als „Depressionen“, oder? 
 
Außerdem klingt es weniger gefährlich und dann noch viel moderner als das Wort „Depression“. Das englische Wort hört sich natürlich auch viel besser an....
 
Wenig bekannt ist die Tatsache, dass ein Burnout-Syndrom häufig als Depression endet. 
Das Burnout-Syndrom, der Zustand des „Ausgebrannt-Sein“ ist somit häufig der Weg in die Depression. 
 
Das habe ich versucht, meiner Freundin klar zu machen.
Richtig überzeugt war sie nicht, glaube ich. Depressionen haben scheinbar etwas Beängstigendes an sich, was an sich ja auch so ist.

Ich hoffe, dass meine Freundin meinen Rat befolgt, zum Arzt geht und sich behandeln lässt. 

 

Kommentare

Nur! Burnout

Liebe Marsella 73

Was du da von deiner Freundin schreibst, könnte mit wenigen Änderungen auch meine Geschichte sein. Bei mir fing auch alles mit einem Burnout an. Damals wußte ich noch nicht mal, das es so was gab. Jedenfalls wurde dieser Burnout weder erkannt noch behandelt. So glitt ich im Laufe der folgenden Jahre in die Abwärtsspirale der Erschöpfungsdepression. Und selbst die wurde erst dann diagnostiziert, als ich schon auf der untersten Stufe angekommen war. Ja, das kenne ich nur zu gut. Zähneputzen, anziehen, einfach nur  da zu sein kann zu einer unüberwindlichen Hürde werden. Und...es hat mir über 10 Jahre meines Lebens geraubt.Ichkann nur jedem!!! dringend raten, sich unverzüglich in Behandlung zu begeben, bevor!!! es zu einer Depression kommt. Das sollte niemand auf die leichte Schulter nehmen.

Sibbdat